Ohrringe stechen lassen – nicht ohne Risiko!

Wer kennt das nicht, ein kleines Mädchen möchte unbedingt auch schöne glitzernde Ohrringe tragen „wie die Mama“, und bittet und bettelt dauernd, dass es auch Ohrlöcher haben will. Was sollen die Eltern da tun? Wie sehen die Risiken aus, und ab welchem Alter ist Ohrlochstechen überhaupt zu empfehlen?

 

Risiko Nickelallergie

Das größte Risiko, an das kaum jemand denkt, liegt darin, dass sich durch den Kontakt mit nickelhaltigen Ohrsteckern eine Nickelallergie einstellen kann, die das Kind sein ganzes weiteres Leben begleiten und belasten wird.

Mittlerweile gilt es als sicher, dass diese Kontaktallergie in erster Linie durch den intensiven und frühzeitigen Kontakt mit Nickel aus nickelhaltigen Ohrsteckern ausgelöst wird, und zwar dann, wenn nach dem stechen von Ohrlöchern Nickel aus dem Metall des Ohrsteckers herausgelöst wird und durch die Wunde in den Körper des Kindes gelangt.

Zwar ist seit 1998 gesetzlich geregelt, dass die Erststecker, also die Ohrringe, die nach dem Ohrlochstechen bis zum Abheilen in der Wunde bleiben, nicht mehr als 0,05 % Nickel enthalten dürfen, allerdings enthält selbst der am häufigsten verwendete Chirurgenstahl mehr als diesen Anteil, und etliche andere Stecker enthalten bis zu 16 % Nickel. Wenn die Nickelallergie erst einmal besteht, wird es im Alltag sehr schwer, die Auslöser zu vermeiden, da Nickel in vielen Gegenständen des Alltags wie Metallreißverschlüssen, Münzen, Werkzeugen, Scheren und sogar in Gold- und Silberschmuck enthalten ist.

 

Weitere Risiken

Es sollte auch bedacht werden, dass durch das stechen von Ohrlöchern eine offene Wunde entsteht, die sich entzünden und zu Schmerzen und weiteren Komplikationen führen kann, insbesondere, wenn das Kind mit den Fingern daran spielt.

Da das Ohrläppchen bei Kindern noch wächst, kann es sein, dass das Ohrloch in späteren Jahren nicht mehr an der richtigen Stelle in der Mitte des Ohrläppchens, sondern im oberen Bereich liegt.

Die Kleinen können beim Toben an dem Ohrring hängen bleiben, oder sich mit dem Ohrring zum Beispiel an den Seilen einer Schaukel verfangen und dabei das Ohrläppchen ausreißen.

Wenn das Ohrloch mit einer Ohrlochpistole geschossen wird, was die verbreitetste Art ist, besteht ein geringes Risiko, das Kind dabei zum Beispiel mit Hepatitis oder HIV zu infizieren, da die Ohrlochpistolen nicht sterilisiert werden müssen. Das Schießen ist außerdem eine sehr schnelle Variante, die den Kindern kaum weh tut.

 

Reduzierung von Risiken und Empfehlungen

Aus medizinischer Sicht, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Allergievermeidung, sollten Ohrlöcher so spät wie möglich gestochen werden, am besten nicht vor der Pubertät oder allerfrühestens mit etwa sechs Jahren. Bis dahin können eventuell auch Ohrclips den Wunsch nach Ohrschmuck erfüllen.

Wenn es dann doch Ohrlöcher sein müssen, lassen sich einige der oben erwähnten Risiken durch geeignete Maßnahmen minimieren:

Ohrringe aus Chirurgenstahl, Gold oder Silber enthalten zu viel Nickel und sollten erst nach dem Abheilen der Ohrlöcher eingesetzt werden. Als Material für Erststecker eignet sich Titan, welches nickelfrei ist.

 

Methoden & Anbieter

Als Methode zum stechen der Ohrlöcher wird die Verwendung von sterilen Einmalnadeln empfohlen, wie es beim Arzt oder in einem seriösen Piercingstudio, das hygienisch einwandfrei arbeitet, möglich ist. Die Einmalnadel ist nicht nur steril, sondern auch spitzer und schonender in der Anwendung.

Eine Ohrlochpistole kann nicht sterilisiert werden und schießt den recht stumpfen Ohrringe durch das Ohrläppchen, sodass das Gewebe unnötig stark zerfetzt wird und schlechter abheilen kann. Juweliere, Schmuckboutiquen, gelegentlich auch Friseure bieten in der Regel das Ohrlochstechen nur mit Ohrlochpistolen an.

 

Frische Ohrlöcher brauchen Pflege

Es dauert im Schnitt vier bis sechs Wochen, bis die Ohrlöcher richtig verheilt sind. Solange müssen die Erststecker im Ohrläppchen bleiben und dürfen erst danach gegen andere Formen des Ohrschmucks getauscht werden.

Das Kind darf nicht an den Ohrsteckern herumspielen, und auch die Empfehlung, dass die Stecker täglich gedreht werden müssen, um nicht festzuwachsen, gehört der Vergangenheit an. Im Gegenteil wird durch das Drehen die neu gebildete Haut immer wieder verletzt. Falls ein Stecker vorübergehend festsitzt, wird er nach dem Abheilen wieder lockerer werden.

In den ersten Tagen nach dem Ohrlochstechen sollten die Haare möglichst nicht gewaschen werden, und danach mit mildem Shampoo. In den ersten zwei Wochen sollte das Kind auch nicht baden gehen. In dieser Zeit empfiehlt es sich, zweimal am Tag mit einem feuchten Wattestäbchen die Krusten zu entfernen und danach mit einem für die Kleinen geeigneten Hautdesinfektionsmittel die Ohrlöcher zu desinfizieren.

Falls es zu einer Infektion des Ohrläppchens kommt, sollte das Kind sicherheitshalber zum Arzt gebracht werden.

 

Wenn diese Tipps beachtet und auf eine sorgfältige Pflege der frisch gestochenen Ohrlöcher beachtet werden, werden kleine Mädchen keine Schmerzen und viele Jahre Freude mit dem neuen Schmuck am Ohr haben.

Ohrringe stechen lassen – nicht ohne Risiko!
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Eltern

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Wer weiß besser über das Familienleben Bescheid, als Eltern selbst. So freuen sich unsere Gastautoren - waschechte Schreiberlinge mit Kids zwischen 0 und 12 Jahren - in ihren Texten spannende Familienthemen mit Dir zu teilen.

1 Kommentar
  1. Danke für die wertvollen Tipps. War mir nicht ganz sicher, mit der Pflege der Ohren,
    ob man tatsächlich nicht baden gehen kann im Sommer.

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