Aus Leonies Handtäschchen: Warum gute Vorsätze gar nicht so übel sind

Unsere Kolumnistin Leonie ist Mama von zwei Mädchen (12 und 2) und plaudert hier nicht aus dem Nähkästchen, sondern aus dem Handtäschchen. Denn – nähen kann sie überhaupt nicht…

Als Mama spürst du den bevorstehenden Jahreswechsel schon im Sommer. Dann nämlich, wenn Kindergarten oder Schule wieder losgehen, Terminlisten ins Haus flattern und du die ersten Dates für 2017 eintragen musst. Dennoch scheint dieses neue Jahr noch irgendwie ein kleines bisschen weiter weg. Im Dezember verhält sich die Sache da schon anders. Zugegeben, erst haben wir nur Plätzchen, Nikolaus, Advent und natürlich Weihnachten auf der Uhr. Doch schnell schon sitzt er uns wieder im Nacken: Der bevorstehende Jahreswechsel. Und dann, in der Silvesternacht, hilft nichts mehr: Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Denn sie kommt – die Frage aller Fragen: „Und? Welche Vorsätze hast du fürs neue Jahr?“ Vorsätze. Puh. Ich bin ehrlich, denn Vorsätze und ich, wir sind in den letzten Jahren nicht die allerbesten Freunde geworden.

Brauchen wir gute Vorsätze, wenn wir sie sowieso nicht halten?

Und da frage ich mich: Brauchen wir Vorsätze, wenn wir sie sowieso nicht halten? Drei mal pro Woche Sport – das wäre so ein Vorsatz, an dem ich kläglich scheitern würde. Einmal wegen den Kindern, denn die Zeit für mich allein begrenzt sich auf ein, zwei Stunden pro Woche. Ansonsten wuselt einfach die Familie um mich herum.

Drei Mal pro Woche Sport scheidet also aus. Vornehmen kann ich es mir trotzdem, halten werde ich es nicht und was bleibt: Frustration, weil man den Vorsatz nicht eingehalten hat.

Wenn ich mir also nichts vornehme, dann spare ich mir auch den Frust. Ergo nehme ich mir nichts vor. Kann klappen. Muss es aber nicht.

Ich glaube, es kommt auf die Vorsätze an. Ich habe in 2015 angefangen, mich für Flüchtlinge zu engagieren, und für meinen Geschmack 2016 viel zu wenig Zeit in diese wichtige Arbeit investiert. Das ist so ein Vorhaben, das werde ich angehen. Es ist aber auch ein Vorhaben, das ich umsetzen kann. Es ist einfach, Kleidung und Spenden zu sammeln und diese an die Menschen zu geben, die sich darüber freuen. Es ist nicht schwer, zu einem Flüchtlingsheim zu fahren und den Menschen dort mit einer Kleinigkeit ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Gutes kann man immer tun.

Dieser Vorsatz wird also funktionieren, weil er nicht zu weit weg von mir selbst ist. Und ich glaube, das ist besonders wichtig. Ja, Vorsätze sind gut, aber eben nur, wenn sie für uns auch umsetzbar sind. Und da spielen viele Facetten rein, zeitlich wie psychologisch.

Richtiges Ziel, falscher Weg.

Nehmen wir an, ich nehme mir vor, im Januar eine Diät zu starten, weiß aber schon, dass der Monat voll mit Familienfesten ist. Macht es dann Sinn? Nein. Ich sollte den Vorsatz also nicht so eng sehen und einfach auf Februar schieben.

Oder in meinem Fall der Vorsatz, drei Mal wöchentlich zum Sport zu gehen. Den kann ich mir sowas von sparen, weil es zeitlich ohnehin nicht möglich ist. Vielleicht bin ich familiär nicht so top organisiert, aber ich habe wenig bis keine Zeit für mich. Einmal in der Woche am Vormittag ist Sport aber schaffbar. Ein lebbares Ziel, das könnte ich angehen.

Keine Diät 2017

Vorsätze sind ja nichts anderes als Ziele. Und wir alle brauchen Ziele. Die Sache ist nur: Klappt mal was nicht, erleben wir den Rückschlag als Niederlage und geben auf. Dabei gehören Rückschläge dazu, sie sind Teil des Weges. Wenn wir unsere Vorsätze ein kleines bisschen kleiner stecken, wenn wir nicht immer versuchen, alles perfekt zu machen, gelingt es uns auch, Gewohnheiten zu ändern. Mit klitzekleinen Schritten kommt man auch ans große Ziel. Und neben Sport, einmal wöchentlich, und mehr Flüchtlingshilfe will ich in 2017 noch eine Sache tun: Nicht Diät halten, aber den Versuch wagen, 21 Tage zuckerfrei zu leben. Erinnert mich daran, falls ich vom Weg abkomme …

Fotos @Bina Terré Photography

Mehr von Leonie kannst Du auf ihrem Blog www.minimenschlein.de lesen.

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