Reiten lernen für Kinder: Wann, wie & wo?

Nach Bibi und Tina sowie dem schönen Film Ostwind können kleine Reit-Fans endlich auch Wendy lebensgroß auf der Kinoleinwand bewundern. Pferdegeschichten stehen bei Kindern hoch im Kurs. Vor allem für Mädchen liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Vielleicht kennst Du das auch, dass der Satz „Mama, wann darf ich Reiten lernen?“ in Dauerschleife kommt. Und wenn Du irgendwann Deinem Kind diesen Herzenswunsch erfüllen möchtest, stehen viele Fragen im Raum. Ab welchem Alter kann mein Kind Reiten lernen? Wie finde ich eine gute Reitschule? Und muss mein Kind perfekt ausgerüstet zur ersten Reitstunde erscheinen? Bis Dein Kind mit leuchtenden Augen sagen kann „Ich kann schon Galopp, Mama!“ gibt es eine Menge zu lernen.

Wir haben für Dich mit einer Expertin gesprochen. Konstanze Lohrer leitet die Reitschule auf dem wunderschön gelegenen Gut Schörghof in der Nähe vom Starnberger See. Sie liebt es, kleine Reitanfänger bei ihren ersten Runden zu begleiten und hat im Nu alle Fragen rund ums sichere Reiten lernen für Dich und Dein Kind beantwortet:

Horse and lovely girl on a ranch

1. Ab wann kann mein Kind Reiten lernen? Ponyreiten, Voltigieren, die erste richtige Reitstunde – was empfiehlst Du für welches Alter?

Wann ein Kind bereit ist zum Reiten, ist von Kind zu Kind verschieden. Geführtes Ponyreiten können schon die Kleinen mit drei oder vier Jahren. Ab circa fünf oder sechs Jahren können die Kinder mit dem Voltigieren anfangen. Die Kinder lernen spielerisch, die Balance auf dem Pferd zu halten und gewöhnen sich an das Pferd.

Im Alter von sechs bis acht Jahren können Kinder mit dem Reitunterricht beginnen. Ab diesem Alter sind sie motorisch dazu in der Lage und können sich ausreichend konzentrieren. Am Anfang reiten die Kinder auf kleinen Ponys an der Longe, das heißt das Pferd wird vom Reitlehrer an der Leine im Kreis geführt. Ein wichtiger Teil der ersten Stunden ist z.B.

  • das Pferd zu putzen und zu satteln
  • oder das Pferd an der Leine zu führen.

So lernen die Kinder den Umgang mit den Pferden und wie sich Pferde verhalten. Ungefähr 10 Longen-Stunden sind notwendig, bis die Kinder Sicherheit erlangen und lernen, das Pferd zu kontrollieren. In unserer Reitschule absolvieren die Kinder noch einen „Sattelkurs“ und können dann in der Gruppe reiten.

 

2. Wie finde ich eine gute Reitschule und einen guten Reitlehrer? Worauf kommt es an?

Es ist gut, sich die Reitschule gemeinsam mit dem Kind erst einmal anzusehen. Die Pferde sollen gut gehalten und gepflegt sein und genug Bewegung bekommen, denn dann sind sie auch ausgeglichen. Die Reitgruppen sollten nicht zu groß sein, ungefähr sechs Kinder sind gut.

Bei der Suche nach einer guten Reitschule mit kompetenten Reitlehrern gibt das FN Siegel eine gute Orientierung (Kennzeichnungssystem der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V.).

 

3. Welche Ausrüstung braucht mein Kind zum Reiten lernen?

Da sollte man nicht am falschen Ende sparen. Ein guter Reithelm ist sehr wichtig für kleine Reiter. Er sollte im Reitsportladen anprobiert werden, damit er richtig sitzt, nicht rutscht und wackelt und den Kopf gut schützt. In vielen Reitschulen können Helme auch erst einmal geliehen werden. Reitstiefel sind auch sinnvoll und schon für kleines Geld zu haben. Die Knöchel werden geschützt und der Stiefel gibt guten Halt. Außerdem haben Reitstiefel einen kleinen Absatz, der dafür sorgt, dass der Fuß nicht zu weit in den Steigbügel rutscht und somit nicht hängen bleibt. Eine Reithose muss nicht unbedingt sein, bietet aber gute Bewegungsfreiheit und die verstärkten Beininnenseiten sorgen dafür, dass nichts scheuert.

 

4. Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Was kostet Reitunterricht?

Die Kosten können regional und von Reitschule zu Reitschule variieren. Der Preis für Reitstunden richtet sich oft auch nach der Ausstattung und dem Angebot der Reitschule und der Kompetenz der Reitlehrer.

Longen-Stunden (Einzelstunden) kosten bis zu 30 Euro. Gruppenstunden sind günstiger und kosten um die 20 Euro. Es werden auch 10er-Karten angeboten.

Entscheidend ist nicht immer der Preis, sondern Qualität und Ergebnis des Reitunterrichts.

 

5. Was gibt es beim Thema Sicherheit zu beachten? Welche Risiken bringt das Reiten mit sich?

Natürlich birgt das Reiten Risiken, aber bei vielen anderen Sportarten ist das auch so.

Wichtig ist, dass die Kinder den richtigen Umgang mit dem Pferd erlernen und Sicherheit erlangen.

Je mehr fachgerechte Anleitung und Kenntnisse die Kinder bekommen, desto ungefährlicher ist das Reiten. Die meisten Unfälle beim Reiten passieren nämlich beim Umgang mit den Pferden, und nicht während des Reitens. Die Kinder sollten natürlich Respekt haben, aber zu ängstlich sollten sie nicht sein, denn das kann sich auch auf das Pferd übertragen. Wenn man sich für das Reiten entscheidet, sollte man wirklich davon überzeugt sein, um das Kind gut unterstützen zu können.

 

6. Was bewirkt Reiten bei Kindern? Welche Fähigkeiten werden gefördert?

Reiten ist Sport – Reitsport – und trainiert die Muskeln am ganzen Körper. Es baut die Rückenmuskulatur auf und fördert eine aufrechte Haltung. Koordination und Konzentration werden geschult, um dem Pferd eine Hilfe zu geben, die es auch versteht. Und die Kinder lernen Selbstdisziplin, sich zu beherrschen, die Balance zu halten. Für eine gesunde Beziehung zu einem Tier ist es wichtig, dass sich das Kind einfühlsam und verantwortungsbewusst verhält. Und viel frische Luft, Bewegung und der Kontakt mit einem Tier tun Kindern einfach gut.

Liebe Konstanze, tausend Dank für das spannende Gespräch und die ausführliche Beantwortung unserer Fragen!

Konstanze Lohrer ist seit über 15 Jahren als Reitlehrerin tätig. Die Reitschule auf dem familiär geführten Gut Schörghof leitet sie voller Herzblut. Mit ihrem Engagement in der Förderung der Jugend konnten ihre Schüler bereits viele tolle Erfolge auf Schulpferden bis zur Klasse L erzielen.

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