Doppelt hält besser. Zwillingsvater Sven erzählt: Einkaufen im Doppelpack – der Wahnsinn schlechthin

Kolumnist Sven, Vater von Zwillingen (8 und 8), Muschelschubser im Exil, Espresso-liebend und immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, erzählt heute seine eigene Geschichte vom Leben mit Doppelpack…

Das ist so einer der Punkte, den man uns Zwillingseltern verschweigt. Wie soll das bitteschön gehen, mit dem Einkaufen. Allein. Mit zwei kleinen Babys. Gleichaltrig. Da hast Du es mit den Babyschalen im Auto bis zum Supermarkt Deines Vertrauens geschafft, stellst Dich auf die mit einer Frau und Baby gekennzeichnete Stellfläche und lässt Dich als Einstand von hinten links anmaulen. Mittlerweile hast Du dazugelernt. Du rollst als Zwillingsvater gekonnt mit den Augen, straffst die Schultern und wuchtest beide Babyschalen ohne einen Schweißtropfen zu vergießen aus dem Auto. Nichts leichter als das.

Ein Einkaufswagen für Zwei bitte

Das Maulen verstummt. Doch was nun? Der Unterstand mit den Einkaufswagen ist gut dreihundert Meter entfernt. Das ist nicht ohne. Schließlich sind auch beide kurz vor dem Supermarkt eingeschlafen und man möchte sie nicht durch unkoordiniertes Geschaukel wieder aufwecken. Genöle in zweifacher Ausführung. Das wäre der Supergau. Das brauchst Du jetzt hier am wenigsten. Also, noch einmal durchatmen und die dreihundert Meter bis zu den Einkaufswagen zurücklegen.

Pünktlich zu Beginn des Einkaufmarathons ist der Nachwuchs wach geworden.

In Deiner Hosentasche findest Du zwischen angesabberten Schnullern und krümeligen Taschentüchern schließlich doch noch eine Wertmünze, die Du mit einem Siegerlächeln dafür benutzt, einen der Einkaufswagen aus seiner Gefangenschaft zu lösen. Zielsicher möchtest Du den Nachwuchs in dem Wagen platzieren. Doch hier ist schon das erste Platzproblem. Beide Babyschalen passen gerade so nebeneinander hinein.

Fröhliches Glucksen, denn pünktlich zu Beginn des Einkaufmarathons ist der Nachwuchs wach geworden. Nun also los. Fersengeld geben. Wir haben schließlich nicht den ganzen Tag Zeit. Wäre ja noch schöner.

„Sind das Zwillinge?“

Hinein durch die Drehtür in den Supermarkt. Das ging schnell. Jetzt den Blicken ausweichen, die einem von rechts und links, vorne und seitlich zugeworfen werden. Eine männliche Person mit zwei kleinen Babys in einem Einkaufswagen. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen. Oder doch? „Sind das Zwillinge?“ Die ersten nervigen Fragen tauchen auf. Was soll man darauf antworten. Auch darauf hatte man uns nicht vorbereitet. All die wirklich wichtigen Dinge. Unglaublich.

Schnell im Zickzack potentiellen Fragestellern ausweichen, hier das Brot, dort die Milch, da den Saft in den Einkaufswagen legen. Ach verdammt, da sind ja die Kinder drin. Wie mache ich das jetzt? Ich schaufle die Dinge nach und nach unter den Einkaufswagen. Dort, wo eigentlich eine Getränkekiste transportiert wird. Doch so nach und nach kullern die kleinen Waren herunter. Das ist alles suboptimal. Wie lange mussten wir hier beim Supermarkt schon auf einen Einkaufswagen warten, auf dem eine Babyschale montiert ist. Von zweien sind wir noch eine gutes Stückchen entfernt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Gelbwurst für kleine Babys?

An der Frischfleischtheke angekommen, möchte eine Bedienung gleich zwei Stücke Gelbwurst herüberreichen. Ich greife beherzt zu. Merke aber, dass sie den Nachwuchs meinte. Nun gut. Der ist für die Wurst noch viel zu klein. Mich aber freut es ungemein. Nach meiner Auswahl geht es weiter. Immer schön im Slalom. Rechts. Links. Dann ganz scharf links, weil sich vor mir eine Armada von Senioren aufgereiht hat, um einen Blick in mein sonderbares Gefährt zu werfen. Nein, da habt ihr aber die Rechnung ohne den Wert gemacht. Endlich. Der Kassenbereich ist in Sichtweite. Jetzt schnell noch einen Spurt hinlegen. Besser kann es gar nicht sein. Der Kassenbereich ist breit genug für die Zwillingskarre. Niemand vor uns. Unsere Chance. Ich wuchte den Einkauf von der untersten Möglichkeit im Schweiße meines Angesichtes auf das Kassenband.

Hier merke ich, dass ich das Portemonnaie zu Hause hab liegenlassen. Das war wohl nichts. Alles auf Anfang.

Mehr von Sven kannst Du auf www.zwillingswelten.de lesen.

Mehr von Sven kannst Du auf www.zwillingswelten.de lesen.

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