Doppelt hält besser. Zwillingsvater Sven erzählt: Von Fußballgriffen und dem Drill-Instructor

Kolumnist Sven, Vater von Zwillingen (8 und 8), Muschelschubser im Exil, Espresso-liebend und immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, erzählt heute seine eigene Geschichte vom Leben mit Doppelpack…

„Aufstehen, jetzt sofort“, schallt es in den Raum. Kerzengerade sitze ich im Bett und bekomme die Augen kaum auf. Mensch, viel zu früh. Was soll das? Etwas Angstschweiß steht mir auf der Stirn. Ich stelle mich neben das Bett zum Appell. Dabei ist mir das alles fremd. Schließlich habe ich nicht umsonst fünfzehn Monate Zivildienst abgeleistet, damit mir das nicht widerfährt. Doch irgendwie holt Dich das wieder ein.

Der Fußballgriff

„Nun machen Sie schon, das muss doch heute klappen“ höre ich die Stimme des Drill-Instructors, „wir haben nicht die ganze Woche Zeit. Hopp. Hopp.“ Nein, so geht das nicht, ich muss hier weg. Ganz schnell. Am besten noch heute, aber das geht nicht. Ich soll den Fußballgriff anwenden und dann wird das schon.

Ich schrecke hoch. Schweißnass. Oh, wie gut, dass ich nur schlecht geträumt habe. Der Nachwuchs schläft seelig und gibt sich entspannten Träumen hin. Doch hätte mir jemand vor der Geburt der Zwillinge erzählt, wir müssten ins Fußballtrainingslager, ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte.

Immer im Tor

Denn in der Schule stand ich immer im Fußballtor. Da machte ich als lang aufgeschossener und größter in der Klasse nicht unbedingt das beste Bild. So ein riesen Kasten und ich – mittendrin. Warum hatten sie nicht den fülligen Sebastian genommen? Verstand ich nicht. Der hätte den Raum viel besser ausgefüllt. Aber sie wollten mich vom Platz haben. Irgendwann holt dich die Geschichte dann wieder ein.

Rechtzeitig zur Geburt checkten wir im Krankenhaus ein. Familienzimmer nannte sich das. Zwei Betten, eigenes WC. Keine Dusche. Suche Dir mal auf der Geburtenstation ein Herren-WC, geschweige denn eine Dusche. Schwierig. Die anderen zwei Quotenmänner, die ich beim Frühstück traf, nickten mir stumm zu. So nach dem Motto „weißt bescheid“. Doch das Duschen war nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem war guter Kaffee. Und der Drill-Instructor.

Sich im WC verstecken war keine gute Sache.

Die große und kompakte ältere Dame, die das Regiment auf der Geburtenstation führte, zeigte gleich, wo der Hammer hängt. Geflissentlich wurde ich bei allen Gesprächen im Zimmer ignoriert. Sehr sinnig. Also machte ich mich dann immer still und leise vom Acker, wenn ich ihre schweren Schritte den Gang hochkommen hörte. Sich im WC verstecken war keine gute Sache. Womöglich brauchte sie in dem Moment noch einen Waschlappen oder etwas anderes.

Wieder dieser Fußballgriff

Meine Frau musste den Fußballgriff lernen. Ich konnte nicht helfen, schließlich war Fußball nie mein Metier gewesen. Von meinem gefürchteten Volleyball-Aufschlag wollte der Drill-Instructor nichts wissen. „Nicht hilfreich“ raunzte sie mir entgegen. Gut. Dann eben nicht. Gehe ich halt einen Kaffee suchen. Doch das gestaltete sich weitaus komplizierter. Das krankenhauseigene Café befand sich meilenweit am anderen Ende des Komplexes. Also, rein in den Frühstücksraum der Geburtsstation. Kamillentee. Früchtetee. Kräutertee. Das durfte doch nicht wahr sein. Doch da, eine Thermoskanne. Ich lupfte den Deckel. Kaffeeduft strömte mir entgegen. Schnell eine Tasse her, eingeschenkt und gut ist. „Ist entkoffeiniert, Kumpel“, kam die Antwort eines der Quotenmänner. „Ich habe es auch schon vergebens probiert.“ Das konnte wirklich heiter werden.

Und ich hätte mir eine eigene Kaffeemaschine mitgebracht.

Die Tage zogen sich, eine knappe Woche mussten wir dortbleiben. Immerhin schien das Fußballtraining meiner Frau zu klappen. Die Nachtschwester brachte ihr ab und an ein kleines Glas Sekt oder echten Kaffee. Ich bekam keinen. Ich wollte nach Hause. Ganz schnell.

Hätten wir gewusst, dass die Zwillingsgeburt etwas mit Fußball zu tun hat, hätten wir ein wenig trainiert. Und ich hätte mir eine eigene Kaffeemaschine mitgebracht. Ich packe jetzt die Tennissachen der Jungs und gehe mit ihnen nachher auf den Platz. Aufschlag üben. Man weiß nie, wofür das gut ist.

Mehr von Sven kannst Du auf www.zwillingswelten.de lesen.

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