„Alle Jahre wieder…
…kommt das Christuskind.“ Doch bis es so weit ist pflegen wir in Deutschland eine Vielzahl von Traditionen, die uns die Adventszeit nicht nur in übertragenem Sinne versüßen. International bekannt und beliebt sind schließlich Christstollen, Weihnachtsplätzchen und nicht zuletzt das Lebkuchenhaus, das im Dezember vielerorts zu großer Freude der Kinder gebacken und ganz besonders süß verziert wird.
Doch nicht nur kulinarisch ist die Weihnachtszeit etwas Besonderes. Besinnlich soll es im Advent zugehen, um uns auf das Weihnachtsfest einzustimmen. Adventskränze und Adventskalender gehören in diesem Zusammenhang sicher zu den beliebtesten und bekanntesten Traditionen, da sie uns auf so schöne Art vor Augen führen wieviel Zeit bis Weihnachten noch bleibt. Typisch für die Adventszeit in Deutschland sind außerdem die schönen Weihnachtsmärkte, wenn diese auch aufgrund der hohen Besucherzahlen eher zum Einkaufen und zu verschiedensten Gaumenfreuden einladen als zur Besinnung. Wem das Gedränge am Glühweinstand zu anstrengend ist, der ist vielleicht besser in einem der zahlreichen Weihnachstkonzerte aufgehoben. Musikalische Klassiker sind hier Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium und Händels Messiah.
All diese schönen Traditionen führen uns durch den Dezember bis dann endlich Heiligabend ist und sich die ganze Familie um den geschmückten Weihnachtsbaum versammelt. Nicht nur für Kinder ist der Moment, wenn sich die Tür zum Wohnzimmer öffnet und der Weihnachtsbaum in seiner ganzen Pracht erstrahlt, der schönste im ganzen Jahr. Und nicht zu vergessen all die schönen Geschenke, die unterm Baum liegen und darauf warten ausgepackt zu werden. Doch wer legt denn nun eigentlich in Deutschland die Geschenke unter den Baum, wenn es die Eltern partout nicht gewesen sein wollen? Ist es tatsächlich das Christkind oder nicht doch der Weihnachtsmann?
Jeder glaubt es zu kennen, das Christkind, das in deutschen Haushalten traditionell die Weihnachtsgeschenke bringt. Doch die wenigsten wissen, dass diese engelsgleiche blondgelockte Symbolfigur im 16. Jahrhundert dem Heiligen Nikolaus Konkurrenz zu machen begann. Denn ursprünglich war er es, der den Kindern bereits am sechsten Dezember Geschenke brachte. Da die Heiligenverehrung in reformierten Kreisen abgelehnt wurde, das Weihnachtsfest aber trotz allem Anlass dazu sein sollte, Jesus Christus und nicht etwa den Menschen für Geschenke zu danken, wurde das Christkind als Zwischeninstanz erschaffen und die Bescherung auf Heiligabend verlegt.
Den Nikolaus haben wir inzwischen wieder, und Kinder in ganz Deutschland freuen sich Jahr für Jahr am sechsten Dezember über die süße Überraschung in ihren Stiefeln oder auf ihrem Gabenteller, den sie am vorigen Abend vor die Tür gestellt haben. In vielen Regionen Deutschlands wartet morgens zusätzlich ein Nikolaus aus süßem Hefeteig auf hungrige Mäuler. Diese Kuchenfigur trägt die unterschiedlichsten Namen: Im norddeutschen Raum kennen ihn die Kinder unter der Bezeichnung Stutenkerl, Stutenmann oder Pumann im Ruhrgebiet. Im Süden ist er als Dambedei, Weckmann, Hefekerl oder Klausenmann bekannt.
Manch einer fürchtet vielleicht auch die Rute, die der Begleiter des Nikolaus, üblicherweise Knecht Ruprecht, schwingt, um ungezogenen Kinder zu bestrafen. Zu Zeiten gebuchter Nikoläuse herrscht aber auch beim Nikolaus Personalnot, so dass in deutschen Wohnzimmern meist der Nikolaus persönlich die Rute trägt und so ganz zu Unrecht in Verruf gerät. Denn eigentlich ist der Nikolaus immer ein „guter Mann“ gewesen, wie wir es auch heute noch aus dem bekannten Nikolauslied kennen. Angst hatten die Kinder früher nur von seinem etwas unheimlich anmutenden Begleiter Knecht Ruprecht, dem der Ruf vorauseilte, böse Kinder in seinen Sack zu stecken, um sie dann im Wald auszusetzen oder noch Schlimmeres mit Ihnen zu tun.
Ganz und gar nicht ruhig kommt der Nikolaus im Allgäu und im Berchtesgardener Land daher, denn dort tritt er in Begleitung vieler teufelsähnlicher Gestalten auf. Hauptsächlich am fünften und sechsten Dezember findet in diesen Regionen das sogenannte Klausentreiben beziehungsweise der Buttnmandellauf statt. Als wilde Gefolgschaft des Nikolaus verkleidete Männer ziehen angeführt vom Nikolaus lärmend von Haus zu Haus und verteilen auch den einen oder anderen Hieb mit der Rute.
Vor allem durch den amerikanischen Einfluss ist aus dem Nikolaus teilweise auch in Deutschland der Weihnachtsmann geworden. Hierzulande sieht man ihn in der Adventszeit nun häufig als Puppe Häuserfassaden erklimmen, meist mit einem gefüllten Sack auf dem Rücken. Trotzdem ist es in vielen Familien immer noch das Christkind, das die Geschenke bringt.
In diesem Sinne wünschen wir Euch besinnliches Warten aufs Christkind- oder eben auf den Weihnachtsmann!



