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Mobbing auf den Schulhöfen

Mobbing bei Kindern – bereits im Kindergarten?

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„Mama, ich glaub’ ich kann heute nicht in die Schule, ich bin krank.“

Wenn Sie diesen Satz von Ihrem Kind häufiger hören, äußerlich aber keine Anzeichen einer Erkrankung zu erkennen sind, sollten Sie der Sache auf den Grund gehen. Möglicherweise ist weder eine anstehende Klassenarbeit noch Ärger mit dem Lehrer die Ursache, wenn Ihr Kind versucht sich mit Ausreden vor dem Schulbesuch zu drücken. Mobbing im Klassenzimmer nimmt weiter zu und die Opfer verbaler oder physischer Attacken werden immer jünger:

Oft beginnt es schon im Kindergarten. Jugendliche hingegen verlagern ihre Machtspiele gerne in den virtuellen Raum und attackieren Mitschüler in sozialen Netzwerken oder mit Hilfe von Nachrichten auf dem Handy.

Damit die Situation nicht weiter eskaliert, benötigen verantwortungsbewusste Erwachsene Hintergrundwissen, Engagement, Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld.

Mobbing bei Kindern – Der Versuch einer Definition

Den Begriff „Mobbing“ zu definieren, ist nicht leicht. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „anpöbeln“ oder „belästigen“. Dennoch ist nicht jedes Kind, welches körperlich angegangen, ausgelacht oder geärgert wird, gleich ein Mobbingopfer. Mobbing ist nämlich nicht immer mit aggressivem Verhalten anderen gegenüber gleichzusetzen. Auch Hänseleien sind gerade unter Kindergartenkindern, die soziales Miteinander erst lernen müssen, normal.

Während Aggression sich auch spontan entladen kann, ist Mobbing eine gezielte Aktion, die über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgt. Dabei gehen die Attacken in der Regel von einer Gruppe aus, richten sich aber gegen eine Einzelperson. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe spielt gerade bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle, denn durch sie wird die soziale Position, der Rang bestimmt. Wer respektiert werden möchte, muss sich daher anpassen. Die Gruppenzugehörigkeit verleiht ein Gefühl der Macht – das spüren auch Kinder. So ist es häufig die Dynamik innerhalb einer Gruppe von Kindern, die Mobbingprozesse begünstigt.

 

In welchem Alter beginnt Mobbing in der Regel?

Umstritten ist die Frage, ab welchem Alter sie dazu fähig sind, andere gezielt zu mobben. Ein Kindergartenkind ist durchaus in der Lage, ein anderes emotional zu erpressen. Häufig fällt der Satz: „Wenn du das nicht machst, bin ich nicht mehr dein Freund.“ Dabei reagiert das dominante Kind jedoch situativ, sein Vorgehen ist nicht systematisch geplant. Von gezieltem Mobbing kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Dennoch: Auch Vorschüler empfinden besondere Stärke, wenn sie innerhalb einer Gruppe agieren. Einzelgänger und Kinder, die als „anders“ wahrgenommen werden, haben es schwer, sich gegen diese Gruppendynamik zu behaupten.

Je älter die Kids werden, desto subtiler wird das Mobbing. Während die Übergriffe im Grundschulalter für aufmerksame Erwachsene wie Lehrer und Eltern meist noch erkennbar sind, mobben Jugendliche so, dass ihr negatives Verhalten nicht auf sie zurückfällt, da sie sich der Konsequenzen bewusst sind. Zudem haben Forscher festgestellt, dass Mädchen beim Mobben andere Methoden nutzen als Jungen. Letztere werden oft gewalttätig, während Mädchen eher auf Psychoterror setzen.

Wenn der Alltag zur Qual wird – Anzeichen für Mobbing und dessen Folgen

Bei Mobbing ist die Dunkelziffer sehr hoch, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Häufig gelingt es den Betroffenen erst Jahre später, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Die Gründe dafür, dass Mobbingopfer beharrlich schweigen, sind vielfältig. Einige werden von den Tätern unter Druck gesetzt und erpresst, andere geben sich eine Mitschuld an den Ereignissen.

Auch die meisten Kinder leiden zunächst still vor sich hin, allerdings lassen sich bei ihnen in der Regel Verhaltensveränderungen beobachten. Anzeichen dafür, dass ein Kind Opfer von Mobbing ist, könnten u.a. sein:

Woran kann man Mobbing erkennen?

Woran kann man Mobbing erkennen?

Jedes Kind reagiert anders, wenn es über einen längeren Zeitraum hinweg körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt ist, aber die Belastung für Betroffene ist immer enorm hoch. Erwachsene, die zum Mobbingopfer beispielsweise am Arbeitsplatz werden, haben mehr Handlungsmöglichkeiten als die jüngeren Generationen. Sie können ihren Job kündigen und schaffen es zudem leichter, sich von den Menschen, die ihnen nicht gut tun, zu distanzieren. Kinder hingegen wünschen sich oft nichts sehnlicher, als von ihren Peinigern akzeptiert zu werden. Denn oft sind es Cliquen besonders beliebter Kids und Jugendlicher, die andere erniedrigen.

Werden sie über einen längeren Zeitraum hinweg Opfer von Mobbing-Attacken, so kann das ihre gesamte Entwicklung negativ beeinflussen. Das Selbstbewusstsein leidet und die emotionale Belastung kann im Extremfall zu Depressionen und Angststörungen führen.

Wie wird ein Kind zum Mobbingopfer?

Psychologen, die sich intensiv mit dem Thema Mobbing bei Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt haben, sind der Meinung, dass grundsätzlich jeder zum Opfer werden kann. Ein beliebiges Merkmal, welches das betreffende Kind von anderen Gleichaltrigen unterscheidet, kann ohne ersichtlichen Grund zum Stein des Anstoßes werden.

Häufige Auslöser sind beispielsweise die Religion, die Hautfarbe, die Kleidung, die Sprache oder der soziale Hintergrund des Kindes. Ein weiterer Faktor, der fast immer eine Rolle spielt, ist Neid. Oft sind es besonders ehrgeizige oder Fleißige, die gezielt attackiert werden.

Besonders leicht haben es die Mobber, wenn das Mädchen oder der Junge ein Einzelgänger ist und sich häufig von den Mitmenschen abkapselt. Wer ohnehin isoliert ist, kann sich nicht so schnell Hilfe von außen holen. Hilfe können Kinder oftmals sogar im Internet erhalten. So kann man sich bei „Mobbing-Schluss damit!“ mit anderen austauschen und sogar professionelle Hilfe suchen. Meistens sind Jugendliche eher bereit sich anonym Hilfe zu suchen. Ein weiteres Forum gegen Mobbing ist „Schüler gegen Mobbing“. Regional ist es möglich immer mehr Beratungsstellen zu finden. So vermittelt die JIZ aus München kostenlose und anonyme Beratung per Mail.

Was Kinder stark macht und wie Sie sich im Akutfall richtig verhalten

Eine Studie aus dem Jahr 2012 hat gezeigt, dass besonders behütet aufgewachsene Kinder häufiger zu Mobbingopfern werden. Gleiches gilt für die, deren Eltern sehr strenge Erziehungsmethoden an den Tag legen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Kinder, deren Eltern konsequent, aber liebevoll erziehen, seltener gemobbt werden.

Weitere wichtige Präventionsmaßnahmen:

 

Selbstbewusstsein stärken

Mit ein paar Tipps können Eltern schon früh das Selbstbewusstsein ihrer Kinder unterstützen

Die oben genannten Anregungen sollen vor allem dazu beitragen, dass junge Erwachsene ausreichend Selbstbewusstsein entwickeln, um sich gegen Mobbing-Attacken zu wehren. Wird Ihr Kind dennoch gemobbt, ist vor allem Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt:

  • Versuchen Sie behutsam herauszufinden, von wem das Mobbing ausgeht.
  • Verständigen Sie die Lehrer bzw. Erzieher Ihres Kindes – aber erst, wenn es dazu bereit ist, sonst verstärkt sich unter Umständen der Leidensdruck.
  • Regen Sie an, dass die Täter einzeln zu den Vorwürfen befragt werden und setzen Sie deren Eltern in Kenntnis.
  • Bieten Sie Ihrem Kind den Schutz, den es braucht um sich sicher zu fühlen und begleiten Sie es beispielsweise zur Schule.
  • Gemeinsam ist man stärker. Wenn Ihr Kind sich Freunde und Verbündete sucht, ist es weniger verwundbar.

Um das Erlebte zu verarbeiten und ein Trauma zu verhindern kann es für Kinder sinnvoll sein, die Hilfe eines Psychologen in Anspruch zu nehmen.

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von
26. April 2014 12:52 Uhr

Kommentare

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Sundancer 30 22. Januar 2016 um 19:51 22.01.2016 - 19:51

Hallo ich habe es leider am eigenen Leib erfahren was mobbing ist. Ich wurde wegen meinem leichten Handycap und meiner Hautfarbe weil ich eine Mischung bin gemobbt. Täglich wurde ich gehänselt und geschlagen und ausgegrenzt. Keiner weder Lehrer noch mein Chef haben mir geholfen oder mischten sich ein als sie was bemerkten. Dadurch habe ich eine PTBS bekommen. Depressionen und Ängste in Gruppen und Bussen. Kein Vertrauen in Menschen. Seit dem kann ich auch nicht mehr arbeiten.Ich bin Rentnerin.Auch in meinem späteren Beruf ging es weiter. Dort wurde ich von meinem Ex fertig gemacht und keiner bemerkte es oder nahm ihn in Schutz. Ich wünsche keinem das zu erfahren wie ich es erlebt habe Mobbing macht krank und man gibt sich immer selbst daran schuld obwohl es die Täter waren die nie bestraft wuirden. Spo ging es mir zu mindest.