Man soll die Dinge bekanntlich beim Namen nennen! Aber was, wenn mir der Name des „Dings“ noch gar nicht bekannt ist? Und das, obwohl ich mit dem „Ding“ nicht nur bekannt, sondern sogar verwandt bin. Kaum gab mir der Schwangerschaftstest vor 3 Jahren eindeutig zu verstehen, dass ich nun einen Strich unter mein DINKY-Leben ziehen konnte, wurde aus der Double-Income-No-Kids-Realität eine Kind-kommt-kein-Witz-Vision: Ich sah mich kugelrund auf der Fahrt zum Kreissaal und was hatte ich nicht dabei – einen Namen für mein Kind. Ebenfalls sah ich den Standesbeamten bei „Kind“ den Kopf schütteln.
Damit es dazu nicht kommt, wollte ich dem „Ding“ in meinem Bauch einen pränatalen Namen geben, der auch postnatal-tauglich wäre. „Ding“ schied also aus. „Es“ auch. Ebenso „Baby“. Obwohl. Ich erinnerte mich an den Film „Dirty Dancing“, in dem Patrick Swayze einer gewissen Baby das Tanzen und allerlei anderes beibrachte – wie kindisch! Und ein möglicher Stammhalter würde von Baby wahrscheinlich auch so gar nichts halten.
Ich kaufte mir also Namensbücher, Spiele zur Namensfindung und notierte mir alle Namen, die ich aufschnappen konnte. Mein Mann hingegen war schon lange eingeschnappt. Hatte er doch sowieso von Anfang an Gefallen an einem geschlechtsneutralen Namen gefunden. Ha, das würde ihm so gefallen. Auf einmal wollte er nicht mehr verantwortlich sein, wenn sich mein Kind später ungeliebt fühlen sollte, nur weil die Eltern zu faul waren für alle Fälle einen weiblichen UND einen männlichen Namen zu suchen. Den Hinweis, dass in Deutschland geschlechtsneutrale Vornamen sowieso nur mit einem weiteren Vornamen möglich sind, ignorierte ich. Mein Mann hingegen ignorierte meinen Namenswahn und verhielt sich weiterhin neutral: „Luca“ sagte er auf dem Weg in den Kreissaal zum gefühlten tausendsten Mal und wurde so zum Vater von Luca Marie … geht doch!
Ich hoffe, ich habe mir hiermit mal wieder einen Namen bei euch gemacht …
Eure Lisa


