Fürs Kind nur das Beste
Beim Kleiderkauf für die Kleinen gilt mehr als je zuvor: Nicht alles, was gut aussieht, ist auch gesund. In vielen Stoffen, die Babys und Kinder auf der Haut tragen, stecken Schadstoffrückstände und Allergieauslöser. Je farbiger und billiger ein Stück, desto wahrscheinlicher kann sich beispielsweise Blei oder Cadmium darin verbergen. Und das ist nur eine Seite – nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass günstige Ware teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen von Kinderhand gefertigt wird.
Aufgrund dieser Argumente lässt sich der Trend zur biologischen Produktion und zum verantwortungsvollen Wirtschaften in Deutschland nicht mehr nur auf die Food-Industrie beschränken. Wer verantwortungsvoll mit der Umwelt umgehen möchte, hat zunehmend auch den Wunsch, bei Textilien und Kleidung auf Gesundheits-, Sozial- und Umweltverträglichkeit zu achten. Begrüßenswert – doch worauf muss man beim Kauf achten? Was steckt hinter den verschiedenen Öko-Labels? Und welche Anbieter sind empfehlenswert bzw. wie unterscheiden sie sich?
Generell gilt: wo immer Sie die Kennzeichnungen “aus kontrolliert biologischer Tierhaltung” (kbT) und “aus biologischer Landwirtschaft / Anbau” (kbA) lesen, können Sie sicher sein, dass es sich um ein Bio-Produkt handelt, das von staatlichen Kontrollstellen zertifiziert wurde. Bei fair gehandelten Labels wird zusätzlich dazu meist gewährleistet, dass die Hersteller Abnahmegarantien und einen fairen Preis für ihre Ware erhalten.
Warum Bio? Die Problematik der konventionellen Produktion
Vor allem Baumwolle eignet sich hervorragend für Baby- und Kinderkleidung: Sie nimmt Feuchtigkeit bestens auf, ist gleichzeitig atmungsaktiv, strapazierfähig und formbeständig und lässt sich außerdem bei hohen Temperaturen waschen.
Beim konventionellen Anbau des Rohstoffs in Monokulturen setzen Textilhersteller allerdings eine breite Palette von Insektiziden und anderen Pestiziden ein. Pro Saison wird ein Baumwollfeld bis zu 25 Mal mit Insektenbekämpfungsmitteln besprüht! Während der Weiterverarbeitung wird die Baumwolle vorbehandelt und gefärbt – wieder bei massivem Einsatz von Chemikalien, deren Rückstände sich später in der fertigen Kleidung finden lassen.
Bei Kindern steigt die Zahl der Allergien und Hauterkrankungen, deren Ursprung auf hautreizende Chemikalien und giftige Farben in Kleidungsstücken zurückzuführen sind.
Hersteller von Ökomode achten daher ganz besonders auf kontrolliert biologischen Anbau und auf die ökologische Produktion der Baumwolle. Dabei verzichten sie auf Monokulturen und bauen die Pflanzen in Fruchtfolge an. Die Ernte geht mechanisch vonstatten. Bauern bekommen idealerweise Abnahmegarantien für die Ernte, so dass sie sich auf Qualität konzentrieren können und Quantität nicht an erster Stelle steht. Und schließlich wird bei der Verarbeitung auf aggressive chemische Ausrüstung verzichtet: oftmals bleibt die Faser ganz unbehandelt oder wird auf besonders umweltfreundliche Art gefärbt.
Bei der Herstellung von Wolle ist es ähnlich: Die Massenhaltung von Schafen begünstigt die Verbreitung von Milben und Läusen, wogegen wiederum reichlich Pestizide eingesetzt werden. Bei der Ökologischen Schafhaltung stehen dagegen artgerechte Tierhaltung und der Verzicht auf Pestizide im Vordergrund.
Was Ökotextillabels bedeuten:
Einige der Labels berücksichtigen alle drei Kriterien: ökologische, gesundheitliche und soziale Standards. Andere beschränken sich auf zwei dieser Aspekte oder erfüllen nur eines. Überdies reicht die Palette von Labels von staatlich zertifizierten Qualitätszeichen bis hin zu selbstdeklarierten Hersteller-Labels. Bei diesen kann es vorkommen, dass sie – als Marketing-Strategie – zwar gesunde Kleidung suggerieren, unter Umständen aber doch gewisse Schadstoffrückstände erlauben.
Für Konsumenten ist der Dschungel von Labels und Kennzeichnungen für biologisch produzierte Ware meist schwer zu durchblicken. Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten neutralen Ökolabels und deren Unterscheidungsmerkmale vor:
IVN Naturtextil “Better” und “Best”

Der internationale Verband der Naturtextilwirtschaft vergibt diese beiden Qualitätszeichen, die nicht nur sehr anspruchsvoll und zuverlässig, sondern auch international anerkannt sind. Das Ziel von IVN – einem Zusammenschluss von unterschiedlichen Unternehmen – ist die Fabrikation hochwertiger Naturtextilien nach strengen ökologischen und sozialen Richtlinien. Textilien mit diesen Kennzeichnungen müssen höchste Anforderungen erfüllen: sie bestehen zu 100 Prozent aus Naturfasern und werden überdurchschnittlich umweltfreundlich gefertigt. Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Einhaltung sozialer Standards: Die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns ist verpflichtend, Kinderarbeit unter 14 Jahren verboten. Das orangefarbene Label “Better” erfüllt die sozialen und ökologischen Basisanforderungen, während Produkte mit der blauen Kennzeichnung “Best” den höchsten realisierbaren Öko-Richtmaßen der Textilbranche Genüge leisten und deswegen von Öko-Test die beste Bewertung bekamen.
BioRe

Hinter der Kennzeichnung steht das Kontrollreglement (KORE), das den Kleidungsstücken ökologische und soziale Kompetenz bescheinigt. Strikte Kriterien bezüglich Arbeitsbedingungen machen das Label zu einem besonders menschenfreundlichen. Alle Abschnitte der Prozesskette – vom Bio-Anbau bis zum fertigen Produkt – halten strenge Anforderungen ein, die von unabhängigen Instanzen überprüft werden.
GOTS
Der Global Organic Textile Standard entspricht dem IVN-Label. Mindestens 70 Prozent der Fasern resultieren aus Bio-Anbau, bei der Kennzeichnung “GOTS organic” sogar 95 Prozent. Vor allem ist aber streng geregelt, wie und mit welchen Hilfsmitteln die Materialien weiterverarbeitet werden, so dass die Schadstoffbelastung möglichst gering gehalten wird. Ebenso werden soziale Mindeststandards einer Prüfung unterzogen.
Europäische Umweltzeichen (ECO)
Das EU-Umweltzeichen macht Produkte kenntlich, die im Vergleich zu handelsüblichen Stoffen geringere Umweltauswirkungen haben. Der Fokus nicht nur auf einer Verringerung der Wasserverschmutzung, sondern auch auf der Verträglichkeit des Endproduktes. Verboten sind daher schwermetallhaltige und allergieauslösende Farbstoffe, sowie gesundheitsschädliche Hilfschemikalien. Trotzdem sind die erlaubten Schadstoffrückstände nach Öko-Test zu großzügig bemessen. Die EU-Blume ist auch auf entsprechend umweltschonend produzierten Chemiefaser-Stoffen zu finden.
Fairtrade
Die weltweit größte unabhängige Zertifizierungsstelle für fairen Handel vergibt ihr Siegel seit 2007 nicht mehr nur für Lebensmittelprodukte, sondern auch für Baumwollbekleidung. Das Fairtrade-Zeichen bestätigt in erster Linie den fairen Handel – die Bio-Qualität der Baumwolle muss durch ein gesondertes Siegel nachgewiesen werden. Generell gilt aber, dass die Produkte größtenteils umweltschonend angebaut werden, da Fairtrade den ökologischen Anbau durch Prämien fördert.
Ecoproof

| Das Label steht für Textilien, bei deren Herstellung auf Sozialverträglichkeit und Umweltschutz gleichermaßen geachtet wird. Die Einhaltung der Arbeitsschutz-Bedingungen und das Verbot von Kinderarbeit sind Voraussetzungen bei der Produktion. Der ökologische Anbau von Rohstoffen wird genauso garantiert wie der Verzicht auf Chlorbleiche, krebserregende Farbstoffe und Biozidausrüstung. Die Richtlinien für Schadstoffe sind weit strenger als bei Labels wie Öko-Tex-Standard 100, so dass das Siegel vom TÜV nur an anspruchsvolle Ökologische Produkte vergeben wird. |
Textiles Vertrauen (Öko-Tex)

| Dieses Label dürfen Textilien tragen, die den Ansprüchen des Öko-Tex 100 Standards genügen. Dieser stellt ökologisch relativ schwache Anforderungen, wenn man die ganze Produktionskette eines Kleidungsstückes betrachtet: lediglich die festgelegten Grenzwerte für Schadstoffe (die relativ hoch sind) dürfen hierbei nicht überschritten werden, die sonstigen Herstellungsbedingungen werden nicht erläutert. Das gleiche Zeichen mit dem Zusatz “1000″ hingegen erweitert die Ansprüche, denn damit wird zusätzlich die Umweltfreundlichkeit der Produktionsstätte bestätigt. Wie die Rohstoffe erzeugt werden, wird aber auch hier nicht bewertet. |



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