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Kinder und gutes Benehmen: Gut erzogen oder dressiert?

Geschrieben am 5. Januar 2009 von limango

Kinder und gutes Benehmen: Gut erzogen oder dressiert?

Die meisten Eltern legen besonders viel Wert auf Höflichkeit und gutes Benehmen ihres Nachwuchses. Nichts kann so peinlich sein wie ein lauthals schreiendes Kind im Supermarkt oder ein Kind, das öffentlich in der Nase bohrt, Schimpfwörter benutzt oder mit dem essen um sich wirft. Natürlich sollen die Kleinen aber auch nicht dressiert werden. Es ist keinesfalls notwendig, dass Kleinkinder bei Tisch mit dem Löffelchen gegen das Glas schlagen und Silencium erbitten, um etwas zu sagen.
Beim Thema Kindererziehung scheiden sich die Geister. Mit beinahe jeder neuen Generation von Müttern ändern sich die pädagogischen Trends. War es bis vor einiger Zeit noch modern, Kinder möglichst wenig mit elterlichen Einflüssen zu drangsalieren, legen inzwischen wieder mehr Eltern Wert auf eine gute Kinderstube.

Seit Jahrtausenden das gleiche Spiel

“Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.”

Diese Zeilen stammen nicht etwa aus einer Zeitung oder Fernsehsendung und es handelt sich auch nicht um einen politischen Kommentar. Vielmehr handelt es sich um eine mehr als 4000 Jahre alte Inschrift, einen Keilschrifttext aus Ur. Und er belegt, was wir heute, aber auch Generationen vor uns immer wieder beklagen: Die heutige Jugend hat kein Benehmen und keinen Anstand.
Sokrates, Philosoph aus der Antike, bekannte schon im fünften Jahrhundert vor Christus:

“Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”

Und auch Aristoteles, der griechische Philosoph, beklagte im vierten Jahrhundert vor Christus:

“Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen!”

Da die Welt in den vergangenen 4000 Jahren jedoch noch nicht untergegangen ist, scheint es so schlimm wohl nicht zu sein.

Was sowohl damals als auch heute gerne vergessen wird, ist, dass Kinder oft (allerdings nicht immer) das Spiegelbild der Eltern sind. Sie ahmen nach, was man ihnen vorlebt.

Viele Eltern glauben, dass ihre Sprösslinge es im Leben leichter haben, wenn sie die Spielregeln des Miteinanders möglichst früh lernen. Nach der Devise “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr” haben das manierliche Essen bei Tisch, das höfliche Verhalten untereinander und die Rücksichtnahme auf Mitmenschen wieder Hochkonjunktur. Benehmen ist jedoch keine Glückssache, sondern sollte vor allem von den Eltern vorgelebt werden. Kinder brauchen Regeln, um sich in der Welt einordnen zu können. Wenn sie wissen, wie sie sich verhalten sollen, gewinnen sie Sicherheit.

Verstehen ist die Voraussetzung

Das Verständnis für Umgangsformen und die Chance, sie spielend zu erlernen, steigen dann, wenn das Kind versteht, WARUM es sich so und nicht anders verhalten soll.
Gutes Benehmen ist nicht nur eine blöde Idee der Erwachsenen, sondern hat auch Konsequenzen. Kinder erfahren schnell, dass man mit Höflichkeit schneller zum Erfolg kommt und beliebter bei anderen ist. Tischmanieren haben vor allem hygienische Hintergründe und das verstehen auch kleine Kinder am besten, indem man ihnen die Folgen vorlebt. Spätestens, wenn das Lieblingsspielzeug von Essen und Trinken beschmutzt wird, versteht der Nachwuchs, worum es geht. Bringt man ihnen die wichtigsten Benimmregeln nicht rechtzeitig bei, haben die Kinder es spätestens dann schwer, wenn sie in ein Umfeld kommen, wo Mama und Papa nicht mehr ununterbrochen dabei sind. Kinder, die die Umgangsformen in jungen Jahren gelernt haben, gehen später viel selbstverständlicher und deshalb auch selbstbewusster durch die Welt.

Das heißt natürlich nicht, dass schon Kleinkinder gekonnt mit Stäbchen essen oder die Kunst des Handkusses beherrschen sollen!

Aber ein paar grundlegende Verhaltensregeln erleichtern es dem Nachwuchs enorm, sich sozial zu integrieren und nicht unangenehm aufzufallen.

Kinder im Vorschulalter sollten:

  • “Mein” und “dein” unterscheiden können
  • Grüßen und zurück grüßen
  • Vor dem Essen Hände waschen und nicht mit dem Essen spielen
  • Beim Husten oder Gähnen die Hand vor den Mund halten
  • “Bitte” und “danke” sagen
  • Beim Sprechen Blickkontakt halten
  • Respekt vor Pflanzen und Tieren haben

Schulkinder sollten:

  • Andere ausreden lassen
  • Bei Malheuren um Entschuldigung bitten
  • “Du” und “Sie” bei Erwachsenen unterscheiden
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln für ältere oder behinderte Menschen sowie Eltern mit kleinen Kindern aufstehen
  • Mit Besteck und Serviette umgehen können
  • Geräuschlos essen
  • Sich an Abmachungen wie Uhrzeiten halten

Wichtig ist es jedoch, dass Eltern nicht über das Ziel hinaus schießen.

Manipulation erkennen und damit umgehen

Kinder haben ein unheimlich feines Gespür. Ganz besonders für die Schwachstellen ihrer Eltern. Sobald sie merken, dass ihre Eltern sich um das scheren, “was die Leute denken”, nutzen sie die Situation aus und beginnen ein kleines Machtspiel.Das Kind erlebt, dass die Eltern im Supermarkt, vor fremden Menschen oder wenn Besuch kommt, plötzlich Rücksicht auf das nehmen, was diese Menschen denken. Und sie verlangen dieselbe Rücksicht auch vom Kind. Das verstehen Kinder nicht unbedingt und wenn sie sich dann auch noch genau so verhalten, wie die Eltern es eben nicht wollen, wird es schwierig. Das Kind bekommt Macht und erlebt gleichzeitig, dass die Eltern die Schwächeren sind. Es erlebt, dass den Eltern dritte Personen und deren Meinung wichtiger sind als es selbst.
Wenn es Kindern gelingt, ihre Eltern gegeneinander auszuspielen oder in der Öffentlichkeit zu blamieren, dann erleiden Eltern einen Autoritätsverlust. Nicht allein vor der vermeintlichen Öffentlichkeit, sondern vor ihren Kindern. Weil Eltern das spüren, rasten sie oft aus und versuchen, vor der Öffentlichkeit und vor dem Kind “ein Exempel” zu statuieren. Sie reagieren überzogen und werden dann beispielsweise aus Hilflosigkeit laut oder geben dem Kind sogar öffentlich eine Ohrfeige. Das Kind erlebt das nicht als Stärke, sondern als Schwäche. Die Rollen sind plötzlich vertauscht.
Überlegen Sie in der jeweiligen Situation besonders gründlich:
Handelt es sich wirklich um eine Blamage oder einen Machtkampf?
Hat sich tatsächlich mein Kind falsch verhalten oder nicht eventuell die Umwelt?
Wie reagiere ich jetzt richtig: soll ich mich mit meinem Kind solidarisieren, auch auf die Gefahr hin, von den Leuten als unanständig betrachtet zu werden?

Ein gutes Beispiel ist hierbei das wohlmeinende Tätscheln der Wange, das besonders von älteren Leuten gerne praktiziert wird. Reagiert ihr Kind darauf ungezogen, sollten Sie nicht gleich losschimpfen. Überlegen Sie lieber, ob Ihr Kind überhaupt gefragt wurde, ob es gestreichelt werden darf! Ist dies nicht der Fall, sollten Sie sogar stolz sein, dass Ihr Kind bereits in der Lage ist, sich abzugrenzen und unangenehme körperliche Zwischenfälle abzuwehren. In diesem Fall sollten Sie sich auch unbedingt vor der dritten Person mit Ihrem Kind solidarisieren und darauf hinweisen, dass Ihr Kind bereits selbst entscheiden kann, ob es körperlichen Kontakt möchte oder nicht.
Wenn Sie sich dieses Beispiel vor Augen halten, gelingt es Ihnen vielleicht auch in vielen anderen Situationen zu unterscheiden, ob Ihr Kind sich daneben benimmt oder nicht.
Im Zweifelsfall gilt immer: Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Kindes und überlegen Sie, wie sie selbst reagieren würden.

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  • Kommentare

    • Chrissi von limango schreibt zu Last-Minute Geschenke zum Valentinstag! :
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      Liebe Heike, schade, dass für dich nix dabei war. Ich werde Deine Anregung auf jeden Fall weiterleiten und muss Dir hierzu aber auch mitteilen, dass ich derzeit keine weitere Aktion einsehen konnte. Sorry! Viele liebe Grüße Chrissi
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