Beim Kauf eines Kinderwagens entscheiden in erster Linie die Ansprüche, die Sie im täglichen Leben an den Kinderwagen stellen. Kein Kinderwagen kann allen Ansprüchen gerecht werden, auch wenn die Hersteller uns dies oft zu suggerieren versuchen. Entscheiden Sie deshalb, was für Sie persönlich besonders wichtig an einem Kinderwagen ist, dann wird Ihnen die Wahl leichter fallen. Da das Angebot zu groß und zu vielfältig ist, um alle Kinderwagen in einige wenige Kategorien einteilen zu können, haben wir für Sie einige hilfreiche Hinweise zusammengestellte, die Sie beim Kauf eines Kinderwagens beachten sollten.
Der Kombiwagen
Die meisten Kinderwagen sind heute sogenannte Kombikinderwagen. Das bedeutet, dass der Wagen sowohl als Kinderwagen für ein ausschließlich liegendes Baby als auch als Sportwagen für ein sitzendes Kind benutzt werden kann. In vielen Fällen kann heute auf einem solchen Kinderwagenrahmen auch die Babyschale fürs Auto befestigt werden.

Kauft man einen Kombikinderwagen, so muss man sich entscheiden, ob man eine Tragetasche mit festem Gestell (Gestelltragetasche) wählt, die sich anstelle des Sportwagenaufsatzes auf dem Rahmen befestigen lässt, oder ob man eine weiche Tragetasche (Softtragetasche) vorzieht, die in den Sportwagenaufsatz hineinzustellen ist. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile (siehe Zubehör). Viele Hersteller bieten inzwischen für jedes Modell beide Optionen an. Die Tragetaschen sind immer als Zubehör extra zu kaufen, nur der Sportwagenaufsatz ist im Grundpreis eines Wagens enthalten.
Beim Sportwagenaufsatz handelt es sich um einen Sitz mit verstellbarem Rücken- und Fußteil, Windverdeck und Gurt zum Anschnallen. Über den Beinen des Kindes befindet sich eine gepolsterte Stange, an der sich das Kind festhalten kann.
Es gibt heute kaum noch Kinderwagen, die bezüglich der Fahrtrichtung des Kindes nicht flexibel sind. In der Zeit, in der das Kind noch ausschließlich im Kinderwagen liegt, schiebt man das Kind natürlich so, dass man Einblick in den Wagen hat. Später, wenn die Kinder schon eine Weile sitzend unterwegs sind, wollen sie auch gerne sehen, wohin sie gefahren werden. Um mit dem Sportwagenaufsatz beide Fahrtrichtungen möglich zu machen, hat der Kinderwagen entweder einen schwenkbaren Schiebegriff oder aber der Sitz kann auf dem Rahmen umgedreht werden. Testen Sie vor dem Kauf eines Wagens, welche Variante Ihnen eher zusagt.
Ein wichtiger Punkt ist außerdem das Gurtsystem des Wagens. Viele Kinder sind es irgendwann leid, im Kinderwagen sitzen zu müssen und aus einem einfachen Beckengurt steigen lebhafte Kinder häufig mit Leichtigkeit aus. Es gibt zwar die Möglichkeit, einen Fünfpunktgurt nachzurüsten doch einfacher ist es natürlich, wenn der Fünfpunktgurt schon vorhanden ist.
Die Größe und das Gewicht des Kinderwagens
Ganz pragmatische Argumente für oder gegen ein bestimmtes Modell können die Größe und das Gewicht eines Kinderwagens sein. Überlegen Sie sich deshalb vor dem Kauf, wo Sie den Kinderwagen abstellen werden, ob Sie ihn eventuell eine Treppe hoch und runter tragen müssen, und packen Sie den zusammengeklappten Wagen vor dem Kauf einmal in den Kofferraum Ihres Autos und schließen diesen auch! So vermeiden Sie böse Überraschungen. Zudem sollten Sie sich fragen, ob der Stauraum unter dem Sitz des Kinderwagens für Ihre Bedürfnisse ausreichend groß und gut genug zugänglich ist.

Lassen Sie sich außerdem von einem Fachverkäufer erklären, wie man den Kinderwagen zusammen- und wieder aufklappt und versuchen Sie das auch einmal selbst. Da dies ein Vorgang ist, den Sie häufig ausführen werden, sollte Ihnen weder das Zusammen- noch das Aufklappen Probleme bereiten.
Wichtig ist auch, dass der Kinderwagen zu Ihrer Körpergröße passt. Der Schiebegriff eines modernen Kinderwagens ist durch Kippen oder Ein- und Ausfahren in der Höhe verstellbar. Idealerweise bilden Ihr Ober- und Unterarm einen rechten Winkel, wenn Sie die Hände auf den Schiebegriff legen. Bei einem ein- und ausfahrbaren Schiebegriff müssen Sie darauf achten, dass Sie, wenn Sie den Griff weit einfahren müssen, um ihn Ihrer Größe anzupassen, beim Gehen mit den Füßen nicht gegen den Wagen stoßen. Ein Schiebegriff, der sich durch Kippen einstellen lässt, sollte sich leicht verstellen lassen.
Doch egal wie gut sich der Schiebegriff Ihrer Körpergröße anpassen lässt: Wenn Sie beim Schieben des Kinderwagens nicht über dessen Verdeck blicken können, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass der Kinderwagen aufgrund seiner Rahmenhöhe zu hoch für Sie ist.
Bereifung, Räder und Federung
Bereifung
Die Federung eines Kinderwagens geht insofern mit der Bereifung einher, dass luftbereifte Kinderwagen schon allein durch die Bereifung besser gefedert sind als Kinderwagen mit Kunststoffbereifung und dass ein Kinderwagen mit vier Rädern besser gefedert ist als ein Dreirädriger. Welche Räder der von Ihnen bevorzugte Kinderwagen hat ist damit von der Frage abhängig, wo Sie hauptsächlich mit dem Kinderwagen unterwegs sein werden. Ein Wagen, der fast ausschließlich auf Asphalt und damit wahrscheinlich in der Stadt geschoben wird, benötigt nicht zwingend ein Luftbereifung, da der Untergrund eben ist und das Kind somit wenig Erschütterungen ausgesetzt wird. In der Stadt hat Kunststoffbereifung gegenüber Luftbereifung den großen Vorteil, dass sie gegen Glasscherben und andere Gegenstände immun ist.
Räder
Doch nicht nur die Bereifung, sondern auch die Größe der Räder eines Kinderwagens entscheidet darüber, wie komfortabel sich ein Kinderwagen auch auf holprigen Wegen schieben lässt. Je größer die Räder, desto leichter und erschütterungsärmer lässt sich ein Wagen über Wurzeln und Steine schieben.
Ein Wagen mit kleineren Rädern ist dafür wendiger, was vor allem in der Stadt praktisch ist. Um nicht komplett auf den Komfort großer Räder verzichten zu müssen, bieten die Hersteller verschiedene Lösungen an. So findet man unter den Modellen der Firma Mutsy den Urban Rider, einen Kinderwagen mit einem in sich schwenkbaren Rahmen, was den Wagen auch ohne kleine oder schwenkbare Räder zu einem wendigen Wagen macht. Der Hersteller bugaboo hingegen ermöglicht es bei seinem Modell bugaboo cameleon, die Fahrtrichtung dem Gelände anzupassen, so dass man auf unebenen Wegen die großen Räder des Wagens nach vorne bringen kann, während man in der Stadt auf Asphalt die großen Räder besser nach hinten verbannt, um den Wagen mit den kleinen Schwenkrädern vorne besser lenkbar zu machen.
Federung
Um die empfindliche Wirbelsäule des Babys zu schützen, ist die Federung eines Kinderwagens unerlässlich. Deshalb verfügt jeder Kinderwagen über einen Federungsmechanismus. Testen Sie diesen vor dem Kauf eines Wagens indem Sie den Schiebegriff im Wechsel runter und wieder hoch drücken. Nach dem Vergleich einiger Wagen werden Sie ein Gefühl dafür haben, wie gut welcher Wagen gefedert ist. Die Art der Federung hängt stark vom Hersteller ab. Zumeist sind die verschiedenen Modelle eines Herstellers nach dem selben Prinzip gefedert. So können beispielsweise die Räder in sich gefedert sein, oder die Achsen des Wagens sind gefedert, außerdem kann der Rahmen über eine zusätzliche Federung verfügen.
Bremse
Ihr Kinderwagen sollte unbedingt eine gute Feststellbremse haben! Diese blockiert die Hinterräder des

Wagens, so dass er sich zum Beispiel in der Strassenbahn, beim kurzen Plausch auf der Straße oder beim Abstellen im Treppenhaus nicht verselbständigen kann. Inzwischen gibt es an manchen Kinderwagen Handbremsen am Schiebegriff, die sich feststellen lassen. Erfahrungsgemäß sind diese Handbremsen aber weniger zuverlässig als eine rein mechanische Feststellbremse, außerdem sind sie wartungsintensiver. Testen Sie vor dem Kauf eines Wagens unbedingt die Bremse! Wenn die Bremse festgestellt ist, dürfen sich die Räder des Wagens nicht mehr rollen lassen, und Sie sollten die Bremse problemlos wieder lösen können.
Kinderwagenzubehör
Jeder Kinderwagenhersteller bietet Kinderwagenzubehör in passendem Design an. Wie weiter oben bereits beschrieben ist ein absolut notwendiges Zubehör eine zum Kinderwagen passende Tragetasche.
Die Gestelltragetasche
Ein großes Plus der Gestelltragetasche ist das Mehr an Platz, das sie gegenüber der Softtragetasche bietet. Wenn Sie selbst groß sind und somit auch Ihr Kind eher ein großes Kind sein wird, hat es in einer Gestelltragetasche sicher länger ausreichend Platz als in einer Softtragetasche. Gerade im Sommer schwitzen Kinder in einer zu engen Tasche eher als in einer geräumigen, so dass Sie mit einer geräumigen Tragetasche weniger dazu verführt sind, Ihr Kind zu früh in den Sportwagen zu legen oder sogar zu setzen. Babys sollten mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich in waagrechter Position im Kinderwagen liegen. In einer Gestelltragetasche ist dies einwandfrei der Fall. Zudem liegt Ihr Kind in dieser Tragetasche auf einer Matratze, die seine empfindliche Wirbelsäule schützt.

Doch nicht alle Hersteller bieten die Gestelltragetasche inklusive einer Matratze an. Die Firma Hartan zum Beispiel bietet die Gestelltragetasche zusammen mit einem innenliegenden Fußsack an, der dann auch im Sportwagen verwendet werden kann. Für die optimale Polsterung des Babys sollten Sie aber über die Anschaffung einer Matratze nachdenken.
Einen weiteren Vorteil bietet die Gestelltragetasche auf Reisen, da sie Ihnen in den ersten Monaten das Mitführen eines Reisebetts erspart. Das Baby kann in der gewohnten Umgebung seiner Tragetasche auf dem Boden zum Schlafen gebracht werden, zusätzlich geborgen vom auf dem Gestell der Tasche befestigten Windverdeck, das das Baby von der Umgebung abschirmt.
Doch Gestelltragetaschen sind verglichen mit Softtragetaschen schwerer und unhandlicher. Wenn Sie Ihr Baby immer mit der Tragetasche zum Kinderwagen bzw. in die Wohnung bringen wollen, dann ist das mit vielen Gestelltragetaschen ein umständliches und anstrengendes Unterfangen. Und dies nicht nur aufgrund der Größe und des Gewichts, sondern auch, weil man die Tasche jedes Mal auf dem Gestell befestigen bzw. sie von diesem lösen muss. Überprüfen Sie deswegen auf jeden Fall vor dem Kauf eines Kinderwagens, wie gut sich die Gestelltragetasche vom Rahmen des Wagens lösen lässt. Alle hier beschriebenen Vor- und Nachteile gelten auch für die klassische feste Babywanne, die manche Hersteller anbieten.
Die Softtragetasche
Die einfache Handhabung ist der große Vorteil der Softtragetasche. Man kann sie mit einem Handgriff aus dem Kinderwagen herausheben, sie hat wenig Eigengewicht,

und man kann Sie gut in der Wohnung aufbewahren, weil sie sich besser verstauen lässt als eine Tragetasche mit festem Rahmen. Dies ist vor allem im Winter von Bedeutung, da die Tragetaschen von im Freien oder im unbeheizten Treppenhaus abgestellten Kinderwagen auskühlen, wenn man sie nicht mit in die Wohnung nimmt.
Viele Softtragetaschen lassen sich später als Fußsack im Sportwagen benutzen. Das ist nicht nur praktisch, sondern natürlich auch günstiger, da Sie sich die zusätzliche Anschaffung eines Fußsacks ersparen. Allerdings bietet eine Softtragetasche deutlich weniger Platz und aufgrund schlechterer Polsterung auch weniger Liegekomfort als eine Gestelltragetasche.
Sonstiges Zubehör
Zu den Must-Haves gehört auf jeden Fall der entsprechende Schutz vor Sonne und Regen. Der klassische Sonnenschutz ist das Schirmchen, das sich in der Anwendung aber meist als unpraktisch erweist. Inzwischen werden deshalb passend zum jeweiligen Kinderwagen beispielsweise Sonnendächer und Sonnenblenden angeboten. Ausreichender Schutz vor Regen ist nach wie vor leider nur durch mehr oder weniger undekorative Regenhüllen zu erreichen. Ein Reisverschluss über den Beinen des Kindes erleichtert aber zumindest das Reinsetzen und Rausheben des Kindes.

Absolut notwendig ist zumindest in der kalten Jahreszeit ein Fußsack. Diese gibt es in verschiedenen Qualitäten: Gefüllt mit Daunen, der klassische Lammfellfußsack, Fußsäcke mit Fleece-Inlay und anderweitig synthetisch gefütterte Fußsäcke. Wofür man sich entscheidet, hängt von möglichen Allergieneigungen des Kindes ab, aber auch von praktischen Gesichtspunkten wie Waschbarkeit und Trockenzeit. Natürlich gibt es auch leichte Fußsäcke für den Sommer. Ob man ihn tatsächlich zwingend benötigt hängt aber davon ab, ob ein Kind bei kühleren Temperaturen nicht auch eine Decke über den Beinen akzeptiert. Neben den Fußsäcken, die die Hersteller passend zum Kinderwagen anbieten, gibt es auch noch gute universal benutzbare Fußsäcke (beispielsweise von Odenwälder Babynest oder Alvi).
Für Geschwisterkinder, die noch keine längeren Strecken laufen können, bieten Hersteller wie Teutonia ein Rollbrett an, das am Kinderwagen befestigt wird, so dass das Geschwisterkind stehend mitgeschoben werden kann. Doch nicht jeder Hersteller bietet ein passendes Rollbrett an. Achten Sie bei der Anschaffung eines solchen Boards deshalb auf jeden Fall auf die Hinweise des jeweiligen Herstellers in der Bedienungsanleitung des Kinderwagens!
Jegliches andere Zubehör, ob Wickeltasche, spezielle Handschuhe zum Kinderwagenschieben, Radschutzhüllen oder was sich die Hersteller sonst noch einfallen lassen, ist im Prinzip ein zusätzlicher Luxus, den sich nicht jeder leisten kann und muss. Das eine oder andere ist, wenn man Glück hat, gelegentlich bei einem besonderen Angebot im Preis enthalten.
Der Buggy
Ihr Kind sollte eigentlich frühestens im Alter von einem Jahr dauerhaft vom Kinderwagen in einen Buggy umsteigen, denn der Buggy ist dem Sportwagen hinsichtlich der Federung weit unterlegen. Deshalb ist dringend

davon abzuraten, Babys im Buggy zu transportieren, da ihr Rücken noch zu empfindlich ist und viele Buggys zudem nicht in eine vollständig waagrechte Liegeposition gebracht werden können.
Wissenschaftler, die sich mit dem Spracherwerb von Kindern beschäftigen, kritisieren, dass Kinder in Buggys nur noch in Fahrtrichtung sitzend geschoben werden, was die Kommunikation mit den Eltern praktisch unmöglich macht. Einige Hersteller wie zum Beispiel Chicco bieten aber inzwischen Buggys an, in denen das Kind sowohl in als auch gegen die Fahrtrichtung geschoben werden kann.
Ein guter Buggy muss vor allem wendig und praktisch sein. Deshalb sollte er in zusammengeklapptem Zustand möglichst klein sein, und er darf nicht viel Gewicht haben (Absolutes Leichtgewicht: Cybex Ruby, nur 5,35 kg). Wie ein Kinderwagen sollte auch er eine gute Feststellbremse haben und der bzw. die Schiebegriffe sollten höhenverstellbar sein. Praktisch ist außerdem, wenn sich der Bügel vor der Sitzfläche öffnen lässt, so dass größere Kinder selbst ein- und aussteigen können. Von Vorteil ist zudem ein guter Fünfpunktgurt und eine bequeme Polsterung der Sitzfläche. Vor dem Kauf sollten Sie den Buggy einmal selbst zusammen- und wieder aufklappen, damit Sie sehen, wie gut Sie mit dem Faltmechanismus zurechtkommen.


