Der Gesetzgeber schreibt in Deutschland eine Sicherung von Kindern im Auto bis zu einer Körpergröße von 150 cm durch geeignete Autositze vor. Doch welcher Baby Autositz schützt unsere Kinder im Falle eines Unfalls am besten? Dies ist angesichts des großen Angebots an Kindersitzen eine berechtigte Frage. Lesen Sie im Folgenden wie Sie Ihre Kinder im Auto optimal sichern können und was Sie beim Kauf eines Autokindersitzes beachten müssen.
Prüfnormen und Testverfahren für Autokindersitze
Jeder in Europa zugelassene Kindersitz wurde nach der Prüfnorm ECE-R 44 geprüft und mit einem Prüfsiegel versehen. Dieses Prüfsiegel ist meist ein orangener Aufkleber oder Aufnäher, auf dem vermerkt ist, nach welcher Norm der Sitz geprüft wurde. Seit April 2008 sind nur noch Kindersitze zulässig, die nach der Prüfnorm ECE-R 44-03 bzw. 44-04 geprüft wurden. Dies ist beim Kauf eines Kindersitzes stets zu überprüfen. Ob der jeweilige Sitz die aktuelle Prüfnorm erfüllt, wird an der Zahlenkombination deutlich, die unterhalb des E abzulesen ist. Beginnt diese Prüfziffernfolge mit 03 oder 04, darf der Sitz ohne Einschränkung benutzt werden.
Zusätzlich zu diesem amtlichen Prüfsiegel werden Kindersitze aber auch regelmäßig von verschiedenen Organisationen getestet. Die aussagekräftigsten Tests werden vom ADAC und der Stiftung Warentest durchgeführt. Beide Organisationen orientieren sich bei ihren Tests an der gesetzlichen Prüfnorm und führen bei der Sicherheitsprüfung neben einem Frontalcrash auch einen Seitencrash (der ADAC bei 50 km/h, die Stiftung Warentest bei 25km/h) durch, weshalb die Tests über den Mindestanforderungen der gesetzlichen Prüfnorm liegen. Außerdem werden die Sitze im Rahmen der Tests auch auf Bedienung bzw. Handhabung und Komfort untersucht.
Die verschiedenen Typen von Kindersitzen
Es gibt Kindersitze der Gruppen 0 (bis 9 kg)/0+(bis 13 kg), I (9-18 kg), II/III (15-36 kg) und die mitwachsenden Kindersitze. Vor der Benutzung bzw. dem Kauf eines Kindersitzes ist also das Gewicht des Kindes, für das der Sitz bestimmt ist, entscheidend.
Innerhalb der verschiedenen Gruppen (besonders in den Gruppen 0-I) ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal die Art der Befestigung des Sitzes im Auto. Entweder handelt es sich um einen Universalsitz, der mit dem Dreipunktgurt des Autos an der Sitzbank befestigt wird, oder aber das Auto verfügt über ein ISOFIX-System, so dass ein entsprechender ISOFIX-Kindersitz mittels Stahlhaken und den im Fahrzeug vorhandenen Ösen fest verankert wird.
ISOFIX ermöglicht den aktuellen Testberichten zufolge den einfachsten und sichersten Einbau von Kindersitzen. Es gilt jedoch zu beachten, dass nicht jeder ISOFIX-Sitz mit jedem Auto, das mit ISOFIX ausgestattet ist, kompatibel ist. In den Bedienungsanleitungen der ISOFIX-Sitze informieren die Hersteller darüber, in welchen Fahrzeugmodellen der Sitz mit dem ISOFIX-System befestigt werden kann. Generell kann aber jeder ISOFIX-Sitz auch mit dem Dreipunktgurt befestigt werden, was den Sicherheitsvorteil dieser Sitze aber zunichte macht. Ist im eigenen Auto nur die Befestigung mit einem Dreipunktgurt möglich, ist schon allein aus Kostengründen- ISOFIX-Sitze sind deutlich teurer als Universalsitze- ein guter Universalsitz vorzuziehen.
Kindersitze der Gruppe 0/0+ (Babyschalen)
Die sogenannten Babyschalen, in denen Kinder bis 13 kg (bis ca. ein Jahr) transportiert werden können, werden immer entgegen der Fahrtrichtung eingebaut. Dies hat den Vorteil, dass der empfindliche Nacken des Babys im Falle eines Frontalaufpralls besser geschützt ist, als wenn der Sitz in Fahrtrichtung befestigt wäre.
Grundsätzlich ist jedes Kind auf der Rückbank des Autos zu transportieren. Kinder in Babyschalen sind wegen der Ausrichtung nach Hinten auf dem Beifahrersitz besonders gefährdet, da hier die Gefahr besteht, dass der Sitz bei Aktivierung des Airbags regelrecht abgeschossen wird. Muss ein Neugeborenes in Ausnahmefällen auf dem Beifahrersitz transportiert werden, so muss der Airbag ausgeschaltet werden.
Besonders wichtig beim Umgang mit Babyschalen ist der korrekte Einbau ins Auto. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, ob sie direkt mit dem Dreipunktgurt oder über eine Basis im Auto befestigt werden. Bei der direkten Befestigung durch den Dreipunktgurt ist darauf zu achten, Becken- und Schultergurt nicht zu verwechseln, da sich die Schale sonst im Falle eines Unfalls aus dem Gurt lösen kann. Der Beckengurt befindet sich bei der korrekt eingebauten Babyschale über den Beinen des Kindes, während der Schultergurt um die Babyschale herumgelegt wird.
Babyschalen mit Basis haben den Vorteil, dass die Basis angeschnallt bzw. mit ISOFIX befestigt im Auto verbleibt, und die Schale nur eingerastet wird. Dies verringert die Gefahr von Fehlbedienung, die beim direkten Anschnallen der Babyschale mit dem Dreipunktgurt besteht. Für korrektes Einrasten der Schale in der Basis muss darauf geachtet werden, dass die Basis der Babyschale frei von Krümeln und Spielzeug ist.
Sowohl der ADAC als auch die Stiftung Warentest empfehlen nach den Tests von 2008 den Römer Baby Safe Plus Isofix (Babyschale mit Isofixbasis, ca. 300 Euro). Dieser Sitz ist der einzige, der in den Bereichen Sicherheit und Bedienung die Note “sehr gut” erhielt. Gegurtet und ohne Basis ist dieser Sitz von der Stiftung Warentest immer noch als “gut” bewertet worden, allerdings mit dem Hinweis, dass der Seitenaufprallschutz dann nur befriedigend ist. Sowohl der Sitz Graco Logico (mit Basis, ca. 180 Euro) als auch der Jané Strata (ca. 200 Euro) werden von beiden Insitutionen mit “gut” bewertet.
Kindersitze der Gruppe I
Der Umstieg von einer Babyschale auf einen größeren, in Fahrtrichtung eingebauten Autositz sollte erst erfolgen, wenn die Kopfoberkante des Kindes den Rand der Babyschale überragt, auch wenn der Sitzkomfort durch den begrenzten Fußraum bereits vorher etwas eingeschränkt erscheint. Das Plus an Sicherheit eines rückwärtsgerichteten Sitzes überwiegt hier sicher.
Bei den Kindersitzen der Gruppe I (9-18 kg (ca. ein bis vier Jahre)) handelt es sich um Sitzschalen mit einem Hosenträgergurt, die sehr selten auch rückwärtsgerichtet eingebaut werden können (sog. Reboarder), oder um Sitzschalen mit einem Fangkörpersystem (das Kind wird mit einem Tischchen vor dem Bauch gesichert). Bei einem Frontalunfall hat das Fangkörpersystem den Vorteil, dass die Belastung etwas geringer ist als beim Hosenträgergurt. Der Hosenträgergurt ermöglicht den Kindern allerdings eine angenehmere Schlafposition, und die Kinder schwitzen nicht so stark.
Beim Einbau von Sitzschalen ohne ISOFIX ist darauf zu achten, dass der Dreipunktgurt bei der Befestigung des Sitzes gemäß der Bedienungsanleitung richtig eingefädelt wird, und dass der Gurt so straff wie möglich sitzt. Auch der Hosenträgergurt muss für den optimalen Schutz des Kindes straff am Körper liegen. Wenn der Hosenträgergurt geschlossen ist, sollte man diesen also unbedingt über den zentralen Gurtspanner nachspannen.
Im Jahr 2008 testeten der ADAC und die Stiftung Warentest zwei Kindersitze der Gruppe I, und zwar den Römer Safefix Plus (ISOFIX, ca. 320 Euro) und den Bébé Confort Axiss (ca. 310 Euro). Bei beiden Sitzen handelt es sich um Sitze mit einem Hosenträgergurtsystem. Der Römer Safefix Plus erhielt in beiden Tests die Note “gut”, der Bébé Confort Axiss wurde in beiden Tests mit “befriedigend” bewertet. Es sind aber nach wie vor Sitze der Gruppe I im Handel erhältlich, die von der Stiftung Warentest im Vorjahr mit “gut” bewertet wurden. So zum Beispiel der Kiddy Infinity Pro (ca. 170 Euro) oder der Maxi Cosi Priorifix (ISOFIX, ca. 339 Euro).
Kindersitze der Gruppe II/III
Bei Sitzen dieser Gruppe handelt es sich meist um Sitzerhöhungen mit Rücken- bzw. Schlafstütze für Kinder mit einem Gewicht von 15 bis 36 Kilo (ca. vier bis zwölf Jahre). Die Sicherung der Kinder erfolgt hier fast immer durch den im Auto vorhandenen Dreipunktgurt. Das Kind wird sozusagen mit dem Sitz an der Rückbank angeschnallt. Von Sitzerhöhern ohne Rückenstütze und Seitenwangen rät der ADAC aufgrund der fehlenden Schutzwirkung beim bei Unfällen äußerst häufigen Seitenaufprall ab. Zudem rutschen schlafende Kinder auf diesen einfachen Sitzen leicht aus dem Gurt heraus.
Wichtig beim Anschnallen des Kindes ist auch bei Sitzen der Gruppe II/III wieder, dass der Gurt straff am Körper des Kindes sitzt. Außerdem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Schultergurt über die Schulter des Kindes verläuft, und dass die Gurtaufrollautomatik den Schultergurt straff zieht, wenn sich das Kind bewegt. Um im Falle eines Aufpralls schwere Bauchverletzungen zu vermeiden muss der Beckengurt möglichst tief sitzen.
Auch in dieser Gruppe von Kindersitzen sind sich der ADAC und die Stiftung Warentest wieder einig. So erhielten der Bébé Confort Moby (ca. 140 Euro) und der Cybex Solution X (ca. 130 Euro) bei beiden Tests die Endnote “gut”. Beide Sitze erhielten in der Rubrik Bedienung/ bzw. Handhabung und Komfort sogar die Note “sehr gut”. Ebenfalls “gut” schnitt auch der Kiddy Discovery Pro (ca. 150 Euro) ab.
Mitwachsende Kindersitze (Gruppe 0/I, I/II, I/II/III)
Auf den ersten Blick scheinen mitwachsende Kindersitze eine praktische Sache zu sein. Leider zeigte sich bei den neuesten Sicherheitstests aber erneut, dass sie nur selten den Ansprüchen an Sicherheit und Handhabung gerecht werden.
Der einzige Sitz für die Gruppen 0 und I, der von der Stiftung Warentest und dem ADAC getestet wurde, ist der Graco Duologic II (ISOFIX) (ca. 500 Euro). Er erhielt beide Male die Endnote “befriedigend” (”gut” in der Rubrik Sicherheit, aber nur “befriedigend” für Bedienung und Komfort). Die Stiftung Warentest bemängelt aber das hohe Fehlbedienungsrisiko des Sitzes.
Erschreckend waren die Ergebnisse für die zwei getesteten Sitze, die für die Gruppe I und II zugelassen sind. Sowohl der Michelin Cockpit, der inzwischen vom Hersteller zurückgerufen wurde, als auch der Sitz Luftikid, ein aufblasbarer Sitz, wird wegen mangelnder Unfallsicherheit in der Endnote mit “mangelhaft” bewertet.
Der einzige empfehlenswerte mitwachsende Kindersitz ist der Kiddy Comfort Pro (ca. 240 Euro), der für die Klassen I, II und III zugelassen ist. Sowohl vom ADAC als auch von der Stiftung Warentest wurde er mit “gut” bewertet, während der Nania New Line SP (ca. 80 Euro) nur ein “befriedigend” erhielt.
Allgemeine Tipps zum Kauf eines Kindersitzes
- Informieren Sie sich vorab über Testergebnisse.
- Achten Sie auf die aktuelle Prüfnorm ECE-R 44-03 bzw. 44-04
- Überprüfen Sie vor dem Kauf eines ISOFIX-Sitzes, ob dieser tatsächlich mit dem ISOFIX-System Ihres Autos kompatibel ist.
- Lassen Sie sich die Bedienung und den Einbau des Sitzes von einem Fachverkäufer erklären.
- Bauen Sie den Sitz vor dem Kauf unbedingt probeweise in Ihr Auto ein und schnallen Sie Ihr Kind im Sitz an.
- Ihr Kind muss bequem in dem Sitz sitzen.
- Der Sitz muss sich fest auf dem Sitz des Fahrzeugs befestigen lassen. Er darf weder kippen noch verrutschen. Gegebenenfalls muss die Fahrzeugkopfstütze entfernt werden (betrifft vor allem Sitzerhöher mit Rückenstütze).
- Die Gurtlänge des Dreipunktgurtes muss ausreichend sein (betrifft vor allem Babyschalen)
- Kaufen Sie gebrauchte Autositze nur von Personen, auf deren Angaben zum Kindersitz Sie sicher vertrauen können. Eine lange Nutzungsdauer, unsachgemäßer Gebrauch oder Unfälle sprechen gegen die Nutzung eines gebrauchten Kindersitzes. Sehen Sie auch im Falle von Schäden und Abnutzungen am Sitzkörper und an den Gurten (Ausfaserungen etc.) vom Gebrauch eines solchen Sitzes ab. Eine Bedienungsanleitung des Sitzes sollte unbedingt vorhanden sein!


